Ewald Neemann

Ewald Neemann
Ewald Neemann
Ewald Neemann
Ewald Neemann

Ewald Neemann (1907 bis 1995) war der bedeutende Nachkriegs-Stadtdirektor in Esens, der von 1946 bis 1971 die Geschicke der Bärenstadt zur kulturellen und wirtschaftlichen Metropole mit lenkte. 1971 erhielt er das Ehrenbürgerrecht. Bereits im Ruhestand hat er sich als Vorsitzender der DJH-Ortsgruppe nachhaltig für die Idee eines Jugendherbergs-Neubaus eingesetzt. Nach Ewald Neemann wurde außerdem der Platz beim „Haus der Begegnung“ benannt.

Ein Mann mit Fachkompetenz und Durchsetzungsvermögen
Von Detlef Kiesé

Ewald Neemann hat in Esens Spuren hinterlas­sen. Immerhin wirkte der Stadt­direktor, der im Januar 1996 im Alter von fast 89 Jahren starb, über Jahrzehnte hinweg beson­ders engagiert für die Entwick­lung der Bärenstadt. Sein Erkennungszeichen auf Veranstaltungen war seine eigene Art des Lobes: lautstarke „Bravo-Rufe“.

Nach dem Abitur an der Kaiser-Friedrich-Wilhelm-Oberrealschule in Emden trat Ewald Neemann 1927 in die Verwal­tung seiner Heimatstadt ein. 1928 wurde er Mitglied der SPD. Erst nach langem Stichen fand Neemann ein neues Betätigungsfeld als Verwal­tungsangestellter im Bezirk Magdeburg. Hier lernte er Meta Erna Elly Tischerlein (18. August 1910 – 31. Mai 1993) kennen, die er 1936 heiratete. Neemann besuchte die Verwaltungsschule in Stendal. Wo er am 1. Juni 1937 die zweite Verwaltungsprüfung bestand. Von 1937 bis 1943 war Neemann in Coswig/Anhalt als büroleitender Beamter tätig.

Kurz nach der Entlassung aus amerikanischer Gefangen­schaft bewarb sich Neemann erfolgreich um die ausgeschrie­bene Stelle eines Stadtdirektors in Esens. Ihm stellte sich als drängendste die schwere Auf­gabe. Wohnraum für 1800 Esens zugewiesene Flüchtlinge zu beschaffen. In den folgen­den Jahrzehnten entstand für die wachsende Bevölkerung ein Kranz von Neubausiedlungen um die Stadt. In 25 Jahren wuchs der Wohnraum auf dem städtischen Areal um mehr als das Doppelte. Die Altstadtsa­nierung wurde in die Wege ge­leitet, mit dem Bau der Wasser­leitung, der Kanalisation, der Nordumgehung, dem Ausbau des Straßennetzes erhielt die Stadt Esens allmählich ein neues Gesicht.

Der Ausbau des Fremdenver­kehrs, dem als neuem Wirt­schaftszweig besondere Bedeu­tung zukam, lag Ewald Nee­mann besonders am Herzen. 1951 gründete er zusammen mit 15 Bürgern aus Esens und Bensersiel den Bade- und Ver­kehrsverein, dessen Vorsitzender er von 1959 bis 1972 war. Der Bau des Seewasserbadebeckens, die Schaffung des Sandstrandes, des Camping­platzes sowie die Errichtung der Strandhalle in Bensersiel führten 1972 zur staatlichen Anerkennung von Esens und Bensersiel als Küstenbadeorte und zu einem rasant wachsen­den Fremdenverkehr. Zugleich war er von 1953 bis 1973 Mitglied der Vertreterversammlung der AOK. Auch das Alten­wohnungsbauprogramm trieb er voran; während seiner Amts­zeit wurde in Esens mit dem Bau eines Seniorenheims der AWO begonnen. Vornehmlich seiner Initiative ist es zu ver­danken, dass es erstmals seit der Lateinschulzeit mit der Niedersächsischen Heimschule wieder ein Gymnasium in Esens gibt.

Die Esenser Stadtgrenzen be­zeichneten aber nicht die Gren­zen der vielfältigen Aktivitäten Ewald Neemanns. Als Vor­standsmitglied des Fremdenverkehrsverbandes Nordsee stellte er sein Wissen und seine Ar­beitskraft auch in den Dienst der regionalen Fremdenverkehrsentwicklung. Neemann gründete die Arbeitsgemein­schaft ostfriesischer Küstenbadeorte, deren langjähriger Vor­sitzender er war. Zudem war er Mitglied des Verfassungsausschusses des niedersächsischen Städtehundes, Gründungsmit­glied und stellvertretender Vor­sitzender der Landesbühne Niedersachsen Nord und lange Jahre Vorsitzender der Arbeits­gemeinschaft ostfriesischer Städte. Zahlreiche Ehrenämter und Auszeichnungen waren ein beredtes Zeugnis für seine viel­seitige erfolgreiche berufliche Tätigkeit.

Ewald Neemann, so schreibt Gerd Rokahr weiter, war nicht gerade das, was man einen „umgänglichen“ Menschen nennt. Wenn es um das Wohl und die Zukunft „seiner“ Stadt Esens ging, scheute er keine Konflikte, und in jeder Situa­tion sprach er offen, manchmal schonungslos aus, was er dachte. Er konnte ein unbeque­mer Streiter und zäher Widersa­cher sein, der beharrlich, mutig und listig auf sein Ziel losging, wobei er selbst unter Umge­hung sämtlicher Instanzen di­rekt zum Minister nach Hanno­ver fuhr, um seine Absicht durchzusetzen. Auf seine Art, mit Fachkompetenz und Durchsetzungsvermögen, hat Neemann gemeinsam mit den jeweiligen Ratsmitgliedern und der Verwaltung die Entwick­lung der vom Bombenkrieg ge­zeichneten Kleinstadt Esens zum kulturellen und wirtschaft­lichen Mittelpunkt des Harlingerlandes gestaltet.

1971 wurde Neemann in den Ruhestand versetzt, doch auch nach seiner Pensionierung gehörte er von 1972 bis 1981 dem Rat der Stadt Esens an. Außerdem war der Pensionär von 1972 bis 1976 Mitglied im ersten gewählten Rat der neu gebildeten Samtgemeinde Esens. Zahlreiche Geschichten und Erlebnisse, die sich mit dem schlagfertigen Zwischenrufer Ewald Neemann verbinden, sind in der Bürger­schaft lebendig geblieben.

Öffentliche Anerkennung für sein Lebenswerk blieb ihm nicht versagt. 1971 wurde dem für  seine Verdienste um die Stadt Esens zum Ehrenbürger ernannten Neemann das Bun­desverdienstkreuz  verliehen. 1997 erhielt der Platz zwischen dem  „Haus der Begegnung“, dem Jugendzentrum und den Gemeindehaus St. Magnus in Esens den Namen „Stadtdirektor-Neemann-Platz“, und die Jugendherberge an der Bensersieler Straße trägt seit diesen Jahr den Namen „Ewald-Neemann-Jugendherberge“.

Ein Porträt über den Esenser Ehrenbürger ist im Herbst 2001 im Verlag der Ostfriesischen Landschaft erschienenen „Biographischen Lexikon für Ostfriesland“ (Band 3) erschienen. Verfasser ist der Esenser Chronist Gerd Rokahr.