Gräfin Walburgis von Rietberg

Gräfin Walburgis von Rietberg

Die letzte Herrscherin im selbständigen und freien Harlingerland, geboren 1555/1556 in Rietberg, gestorben am 26. Mai 1586 in Esens.

Walburgis wurde 1555/1556 als zweite Tochter von Johann II. von Rietberg und Agnes von Bentheim und Steinfurt in Rietberg geboren.

Im Alter von 21 Jahren wurde sie am 29. Juli 1577 mit dem damals 14-jährigen Erbgrafen Enno und späteren Enno III., Sohn des Grafen Edzard II. von Ostfriesland verlobt. Die Hochzeit fand am 28. Januar 1581 in Esens statt, als Enno 18 Jahre alt war.

Aus dieser Ehe stammen:

Sabina Catharina (* 11. August 1582; † 31. Mai 1618), sie heiratete am 4. März 1601 ihren Onkel Johann III. von Ostfriesland-Falkenurg

Agnes (* 1. Januar 1584; † 28. Februar 1616), heiratete am 19. Februar 1604 den Prinzen Gundakar von und zu Liechtenstein

Johann Edzard (* 2. März 1586; † 13. März 1586)

Nach der Geburt von Johann Edzard musste Walburgis sich erholen und zog samt Hof am 7. Mai 1586 von Esens nach Wittmund um. Walburgis erholte sich zunächst von der Geburt ihres Stammhalters unter den heilkundigen Händen des Dr. Petrus Moll. Nur kurze Zeit später kehrte sie nach Esens zurück und starb hier  im Alter von 30 Jahren am 26. Mai 1586. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Magnuskirche in Esens. Mit ihr starb die Linie der Grafschaft Rietberg aus dem Hause Werl-Arnsberg aus.

Graf Enno III. ließ seiner geliebten Frau im Jahre 1587 ein Grabmal und ein Epitaph errichten. Das Epitaph  wurde aus der Vorgängerkirche in die heutige St. Magnus Kirche übernommen.

Das steinerne Grabmal, mit vielen allegorischen Figuren in Alabaster verziert, stand mitten im Chorraum und war mit einem eisernen Gitter versehen. Es wurde 1791 verkauft und abgebrochen. Lediglich 6 Karyatiden (Trägerinnen), die christliche und griechische Tugenden darstellen, sind an einem Haus in der Stadt erhalten geblieben. 1997 ließ die Stadt Esens die Figuren restaurieren und um einen rekonstruierten Sarkophag wieder in der St. Magnus Kirche in Esens aufstellen.

1600 schloss Enno III. mit seinen Töchtern Sabina Catharina und Agnes einen Vertrag, den „ Berumer Vergleich“, der zum Inhalt hatte, dass das Harlingerland in Personalunion zu Ostfriesland kam. Es hatte damit seine Selbständigkeit verloren.

Nach Ihrem Tod tauchte das Gerücht auf, der Gräfin sei eine vergiftete Biersuppe gereicht worden. Verdächtigt wurden Christine Evken, die Frau des damaligen Bürgermeisters und die Töchter Anna und Hille. Unter der Folter gab eine der drei verdächtigen Frauen die Tat zu. Die Ärzte bescheinigten zwar eine natürliche Todesursache, dennoch wurden die Drei am 27. Juli 1586 zur Richtstätte gebracht und öffentlich verbrannt.