Ostfriesland-Wanderweg
Scheuerpfahl Skulpturen entlang des Ostfriesland – Wanderweges
Pferde, Rinder, Ziegen, Schafe und auch Schweine mögen sich gerne scheuern und reiben. Ist kein Baum vorhanden, wird schon mal ein Zaunpfahl genutzt und häufig dabei zur Seite gedrückt. Aus diesem Grund setzen Landwirte schon früh Scheuerpfähle auf ihr Weideland. Für die Auswahl von Scheuerpfählen sowie für ihre mögliche Position auf der Weide gibt es keine Gesetzmäßigkeiten und sie bedürfen auch keiner Genehmigung. Egal, ob sie zweckmäßig schlicht oder gar künstlerisch gestaltet sind.
Damit war das Stichwort gefallen und der Präsident der Ostfriesischen Landschaft, Helmut Collmann, formulierte bei einer Tasse Ostfriesen-Tee mit dem Initiator des Skulpturen-Pfades Gerd Neumann: „ Das wäre etwas für den Ostfriesland-Wanderweg!“ Eine Ausschreibung und Jury-Sitzung folgten, dann wurden namenhafte Künstler mit der Umsetzung beauftragt.
Von Mai bis November 2011 entstanden 24 künstlerisch gestaltete Scheuerpfahl-Skulpturen, die, entlang der ehemaligen Kleinbahntrasse von Bensersiel bis Rhauderfehn aufgestellt, die Landkreise Wittmund, Aurich und Leer verbinden und nicht nur beim jährlich stattfindenden „Ossiloop“ ins Auge springen sollten. Auch Menschen reiben sich gerne und setzen meistens dazu Worte ein. Jetzt haben sie auch in der ostfriesischen Kulturlandschaft 24 mal Anlass dazu.

Text: Gerd Neumann, Dr. Lübbert R. Haneborger, „Scheuerpfahl Skulpturen entlang des Ostfriesland-Wanderweges“, SKN Druck und Verlag, Norden

Mooreiche gerahmt, Standort: Wiese zwischen Radwanderweg und Bensersieler Str., nordwestlich des Kreisels
Mooreichen sind besondere subfossile Eichenstämme, die über Jahrhunderte gerade auch in den Ostfriesischen Mooren lagen. Das Holz wird sehr hart und verfärbt sich. Der von mir ausgewählte Baumstumpf hat besondere plastische Qualitäten, aus jeder Sicht wirkt er völlig anders. Der ihn umgebende Rahmen aus Stahl betont diese skulpturalen Eigenschaften, auch er wirkt je nach Betrachtungspunkt unterschiedlich, aber jeweils genau entgegengesetzt – als Rahmen für eine besondere Mooreiche.

Künstler: Harald Ellinghaus

Windsäge, Standort: Wiese zwischen Radwanderweg und Bensersieler Str., südwestlich des Kreisels, hinter dem Haus „Alte Wache“
Eine 3 m hohe Skulptur, die dem Wind trotzt. Wie die Menschen, die in dieser Landschaft leben und arbeiten, stellt sie sich gegen den Wind und zerteilt ihn mit ihrem Körper. Eine Hommage an eine elementare Kraft der Küstenlandschaft und die Zähigkeit ihrer Bewohner.

Künstler: Thomas Jaspert

Compressed in the middle? No., Standort: Parkfläche an der Norder Straße, an der Einfahrt zur Reithalle Gedankenstele „Compressed in the middle?No.“: Die Kugel symbolisieren Gedanken, sind also Gedankenkugeln. Dargestellt werden hier also eine Menge Gedanken zwischen zwei „Gewichten“ oder „Aufgaben“. Diese sind jeweils oben und unten weiß gestrichen. Da sich die Kugeln nicht dem scheinbaren Gewicht über ihnen „ergeben“ und sich nicht verformen, nehmen sie die zu bewältigende Aufgabe wahr. Die Arbeit soll Mut machen und dafür stehen, dass es auch in schwierigen Zeiten Lösungswege gibt, wenn man sich diesen stellt.

Künstler: Thorsten Schütt

Gedankenecke, Standort: Wagnersfehn beim Schöpfwerk Auch hier symbolisieren die Kugeln die Gedanken. Diese Skulptur ist weit mehr interpretierbar als andere Stelen. Sie steht nah am Wasser, was Luftblasen aber auch den Fluss von Gedanken darstellen kann. Zudem ist es ein Moment. Die Frage ist: Was passiert hier?  Werden sich die Gedanken herab bewegen, werden sie die ganze Stele umwandeln, bleiben sie ruhig in sich gekehrt und lauschen dem stillen Wasser? Es liegt im Auge und Gefühl des Betrachters.

Künstler: Thorsten Schütt

Namens-Stamm-Baum Standort, Brill: Garten zwischen Radwanderweg und Auricher Str. 177 beim Landhaus Brill Ostfriesische Vornamen sind besonders, machen neugierig, wecken Erinnerungen und haben eine lange Tradition. Ihnen wird ein Denkmal gesetzt. 210 Namen stehen in den Farben der ostfriesischen Flagge in Schwarz auf roten Ringen (für Frauen) und blauen (für Männer). Nach oben hin werden sie schmaler, die Farben heller, die Namen haben größere Abstände: die Tradition droht zu verblassen, lückenhaft zu werden.

Künstler: Ingrid Freihold


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